Das Aufmacherfoto stammt allerdings nicht aus meinem Archiv, sondern von Dieter W., dessen Großonkel und deren Freunde diese Motorräder auf dem Foto fuhren. Zu sehen sind hier die Freundinnen der damals jungen Männer. Dieter stammt wie ich aus Backnang und hat ein interessantes Buch über die Kesselgassenkinder geschrieben. In den dreißiger und vierziger Jahren war mein Vater eines der Kesselgassenkinder.
Und Dieter recherchiert wie ich die Familiengeschichte, die für die Zeit der zwanziger bis fünfziger Jahre bei seiner wie meiner Familie Erstaunliches ans Licht bringt. Mein Großvater wurde, weil der politischen Opposition gegen die Nationalsozialisten zugehörig, 1933 im Lager Heuberg, einem frühen KZ in Württemberg in Schutzhaft genommen. Dem ersten Verhaftungsversuch entzogen sich er und eine weitere Person durch Flucht mit einem Motorrad-Gespann, aber er landete dann doch im KZ. Während meiner Recherche gab es eine kurze Zeit lang die Vermutung, das mittlere Motorrad könnte das bei der Flucht benutzte sein, aber dem ist nicht so. Mit der Hilfe von Guido Kupper (Redakteur der MOTORRAD CLASSIC) und Andy Schwietzer (Stiftung PS-Speicher) konnten die Maschinen identifiziert werden: „Die beiden äußeren Maschinen sind NSU OS. bzw. OSL, damals hochmoderne Sportler; beide nicht älter als Bj. 1933. Die mittlere ist ein D-Rad R 04 oder 05, eine etwas grobes und sehr robustes preiswertes Alltagsmotorrad aus Mitte der 1920er Jahre.“ Aber dazu später an anderer Stelle mehr.

Aus meinem Archiv ist ein frühes Foto meiner HONDA von 1980 aufgetaucht. Der Ernst des Lebens, oder die große Freiheit hatte begonnen, im Jahr zuvor hatte ich Abi gemacht. Und seit 1978 war ich viel mit Albert und seiner XT unterwegs. Kurz danach kaufte er eine der letzten Triumph Tiger, nagelneu beim damaligen Importeur Wüst in Schwäbisch Gmünd.

Aus irgendeinem Grund war meine HONDA gerade nicht ganz reisetauglich, als ein spontaner Trip nach Niederbayern anstand. Also stieg ich zu Albert auf die Tiger. Auf dem Rückweg hatten wir miserables Wetter, es goss pausenlos in Strömen. Und Albert war, anders als ich, i. d. R. ohne Regenklamotten unterwegs. So kam ich in den Genuss, den größten Teil der Rückfahrt die Tiger steuern zu dürfen, während er auf dem Sozius hinter mir vor den Wolkenbrüchen in Deckung ging.

Immerhin hatte ich inzwischen eine selbstgeschneiderte Lederkombi und einen Rukka-Regenkombi. Backnang hatte zu der Zeit noch eine alteingesessene Lederindustrie. Über einen Bekannten bekamen meine Freundin Karin und ich zwei Häute (wie sie an Harro geliefert wurden) für kleines Geld, und nahmen von einer geliehenen Harro-Kombi das Schnittmuster ab. Vom Schuhmacher Wendland, zwei Straßen weiter, erstanden wir eine ausgediente Ledernähmaschine, ich schnitt das Leder zu, Karin nähte. Drei Wochen war unsere Freizeit damit ausgefüllt, aber diese Kombi habe ich ewig getragen. Meine ist völlig verschlissen und war irgendwann nur noch ein Fall für die Entsorgung. Aber nicht so die von Karin, weit weniger getragen ist sie top erhalten.


1983 war das Jahr der Friedensbewegung. Seit Herbst des Vorjahres frisch gebackener Student an der Uni Köln, setzte ich mein Engagement in der Friedensbewegung nun in Studenten-Gruppen fort. Anreise zur Blockade der Marschflugkörper-Stellung im Bergischen Land wie so oft per Motorrad.

Im Nachlass meines Vaters tauchen immer noch Fotos auf, die ich gar nicht kenne. So z. B. jene, die etwa 2001 entstanden sind. Wir waren erst kurze Zeit vorher ins Bergische Land gezogen, als er bei einem Besuch mal die Clubman Probe fuhr. Er trägt meine alte Kombi-Hose und die Lederjacke, die ich in L.A. am Venice Beach gekauft hatte. Mit den beiden HONDAs haben wir dann eine kleine Runde gedreht, soweit ich mich erinnere, war es ordentlich kalt.

2018 feierte ich mit der HONDA CB 400 FOUR 40jähriges Jubiläum. Einige befreundete Motorrad-Fahrer kamen zum Kaffee vorbei. Darunter Gero Hesse mit seiner ultra-seltene CB 400 FOUR mit Bimota-Kit.


