Motorrad

Motormuseum Öhringen

Einen kurzfristig notwendigen kleinen Trip in meine schwäbische Heimat habe ich genutzt um mir eine öffentlich zugängliche hochkarätige Sammlung anzusehen.

Armin

Also mache ich mich mit meinem Freund Albert an einem Mittwochnachmittag auf den Weg nach Öhringen. Das Navi führt uns auf in einem Gewerbegebiet auf ein Werksgelände. Anders als auf der Website angegeben, ist im Moment anscheinend nur am Mittwoch geöffnet. Wir haben Glück, es ist Mittwoch.

Nicht nur BMW und Zündapp haben Boxermotoren gebaut. Hier eine seltene Hoffman Gouverneur mit 250 ccm.

An der Tür müssen wir klingeln, zunächst erfolgt keine Reaktion. Ich klingele ein zweites Mal, wieder nichts. Gerade als ich um anzurufen das Handy zücke, schaut jemand um die Ecke und ruft „komme gleich“.

Nein, keine Moto Guzzi! Eine Victoria Bergmeister mit 350ccm-OHV-Motor. Ebenfalls ausgesprochen selten.

Wir zahlen jeder unsere 5 € Eintritt, und die nette Kassiererin erklärt uns auf unsere Frage, dass das Museum nicht wie von mir angenommen von einem Verein geführt wird, sondern ein reines Privatmuseum ist.

Diese Adler Zweitakt-Zweizylinder-Motoren waren tatsächlich die Vorlage für die in den Siebzigern dann so erfolgreichen Yamahas.
Diese Triumph kommt nicht aus England und ist ebenfalls ein Zweitakter. Die Nürnberger Triumph-Werke waren mal ein Ableger des gleichnamigen englischen Herstellers, beide Werke wurden von dem Deutschen Auswanderer Siegfried Bettman gegründet. Der Nürnberger unternehmenszweig wurde von Grundig übernommen und in die Triumph-Adler AG umgewandelt, die nur noch Büromaschinen herstellte.

Die Sammlung konzentriert sich weitgehend auf die fünfziger bis frühen Siebziger Jahre und zeigt die für diesen Zeitraum wesentlichen Motorräder.

Eine Imme. Man beachte die Einarmschwinge, die gleichzeitig Auspuff ist.
Design in Anlehnung an US-Cars von der Auto Union. Diese war ein Zusammenschluss von Horch, DKW, Audi und Wanderer. Für Zweiräder war DKW zuständig.

Alle Motorräder zeigen sich in einem erstklassigen Zustand und sind laut Auskunft der Mitarbeiterin entsprechend konserviert. Aber man sieht ihnen an, dass sie nicht gefahren werden. Schade.

So eine 500er NSU Konsul…
…oder Horex Regina 400 waren zu ihrer Zeit Oberklasse.

Der Mann der die Sammlung aufgebaut hat, war Firmengründer und hat eine seiner Werkhallen hierfür genutzt, und in dieser Halle stehen wir jetzt. Er ist vor einiger Zeit verstorben und die Kinder führen das Erbe fort.

Nicht nur BMW kann Boxer. Schon 1910 hat Douglas Boxermotoren eingebaut, allerdings nicht quer, sondern längs.
Die Panther-Singles wurden wegen ihrer enormen Bauhöhe (bis 600 ccm) schräg gestellt. Ihr enormes Drehmoment machte sie zu idealen Seitenwagenmaschinen.
Natürlich sind auch Matchless und BSA mit Singles vertreten…
…und auch Norton ist dabei.
Wobei mir persönlich dieses Scrambler-Modell am besten gefällt.

Beim gesamten Rundgang haben wir das Museum für uns alleine, was natürlich angenehm ist. Allerdings ist es auch sehr schade, denn diese Sammlung ist wirklich sehenswert.

Mit der Square Four war Ariel nicht sehr erfolgreich, sie hatte häufig thermische Probleme.
Eine frühe Vincent noch unter HRD-Label.
Ein Twin des ältesten ohne Unterbrechung aktiven Motorradherstellers: Eine Royal Enfield Constellation.
Ein Scott-Zweitakter: Die Flying Squirrel mit 600 ccm. Die frühen Modelle waren revolutionär: Ein Twin mit Wasserkühlung.
Und die bekannte T100 von Triumph.

Beim Rundgang frage ich mich, wie lange es dieses Museum wohl noch gibt, und ob diese tolle Sammlung irgendwann in alle Himmelsrichtungen verkauft wird.

Natürlich gibt es auch ein wenig US-Schwermetall von Harley Davidson…
…und Indian.
Aber die Gilera und die Bianchi interessieren mich mehr.

Und wieder mal muss ich den Italienern für diese Bauzeit beim Design Bestnoten geben.

Benelli 750 SEI. Mit diesem Sechszylinder waren sie sogar schneller als die Japaner am Markt.
Und zur MV und der Ducati muss ich nichts mehr sagen, sie sind hinlänglich bekannt.
Diese tolle Sarolea…
…und diese ebenso schöne Gillet Herstal aus Belgien sind weniger bekannt.
Diese Gummiband-Vorderradfederung hat sich nicht durchgesetzt. Wahrscheinlich gut so.

Das Museum beherbergt auch etliche Luxus-Automobile, die ziemlich voluminös sind. Aber ich merke mal wieder, das vierrädriges Blech bei mir nicht dieses große Interesse weckt. Bei der ebenfalls vorhandenen Glasausstellung nimmt es aber noch mehr ab. Umso mehr freue ich mich über die frühen Honda-Twins, sie sieht man auch sehr selten.

Hier eine CB 92.
Und diese Honda C71 im schwülstigen 50er-Jahre-Stil.
Da sind diese C77…
…und die CB72 schon peppiger.
Die CB 450 K0 hat dann den englischen 650ern richtig eingeheizt.

Natürlich waren in der Honda-Reihe auch die CB 750 FOUR und die frühe Gold-Wing dabei. Aber überrascht hat mich ein Ausreißer die Bauperiode betreffen. Es fand sich auch eine Clubman.

Sie scheint endgültig den Klassiker-Status erreicht zu haben: Die Honda GB 500 TT Clubman.
Mir hätte gefallen, wenn man sie neben ihre deutlich ältere Vorlage, die Velocette Venom Thruxton gestellt hätte.

Vor einem Rolls Royce steht wie bei allen Autos ein Schild mit technischen Daten. Über die PS-Angabe muss ich schmunzeln, da steht einfach: Ausreichend.

Auch DDR-Kräder von MZ,…
…Simson und AWO werden ausgestellt.
Sogar ein IFA-350er-Boxer ist dabei.
Aber Albert bleibt noch an einer Heinkel Perle und am Quickly hängen. Mit der Perle hat er als Jüngling erste Schwarzfahr-Erfahrungen gesammelt.

Langsam machen wir uns wieder auf den Weg, aber wir sind uns einig: Ein lohnender Besuch war das.