Für einen Tag? Dazu muss man wissen, dass es sich hier um ein spezielles Museum handelt. Nach dem ersten Weltkrieg motorisierte August Wurrig zunächst sich selbst, um dann aus der Not der Zeit heraus auch für andere Motorräder zu bauen.
Moderne Technik in Form eines aktuellen VW-Navigationssystems kann uns mangels aktueller Baustellendaten zunächst nicht zum Museum führen, so dass ich das mache, was sonst Piet’s Rolle ist: Ich lotse Alois per Handy-Google-Navigation zum Zielort.


AWD ist eine Motorradmarke, die heute kaum einer kennt. Ihr Gründer Wurrig ist in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts denselben Weg wie viele andere gegangen. Er hat Motoren gekauft und die Fahrwerke selbst gebaut, war also ein klassischer Konfektionär.

Und da sein Betrieb klein und überschaubar blieb, war er mehr Werkstatt als Manufakturbetrieb. An der Tagesordnung waren Reparaturen an allerlei Fahrzeugen und eben alles was Lohn und Brot brachte.


Beim Gang über das Gelände und durch die Werkräume wird schnell klar: Das hier ist keines der üblichen Museen mit perfekt restaurierten Exponaten in ästhetisch ansprechender Architektur. Dieses Museum ist eine Zeitkapsel. Alles, auch zahlreiche Motorräder ist im Originalzustand erhalten. Das gibt dem Ganzen eine ganz besondere Atmosphäre, die ich sehr ansprechend finde.

Positiv fällt mir auf, dass die Rolle von AWD und des Firmengründers in der Zeit des Nationalsozialismus nicht sparsam und eher formal erwähnt wird, wie das von großen Herstellern meist gehandhabt wird. Die Nachfahren von August Wurrig und der Museumsförderverein gehen damit offen und informativ um, was gleichzeitig die heute leider wieder so notwendige klare Positionierung zum Thema ist.



Wurrig war auch im Rennsport aktiv, so dass es zahlreiche Kontakte zu anderen Motorsportlern gab, für die er dann in seiner Werkstatt tätig wurde. Thomas von der Brey, Enkel des Firmengründers, gibt recht unterhaltsam so manche Anekdote während seiner Führung zum Besten.




Ich finde, dass dieser originale Erhaltungszustand von Gebäuden, Maschinen, Werkzeug und Motorrädern die bestmögliche Variante ist, die vergangene Zeit erlebbar, fühlbar zu machen, und sich hineinzuversetzen. Und solche Zeitkapseln sind inzwischen ausgesprochen selten geworden.




Wir haben ein paar schöne Stunden an diesem besonderen Ort verbracht, die Fahrt ins Ruhrgebiet hat sich absolut gelohnt. Ich kann jedem nur empfehlen, im kommenden Jahr mal einen der wenigen Tage, an denen das Museum geöffnet hat, zu nutzen und hinzufahren.

