Motorrad

Vier Tage Sonne, Motorräder, Kurven…

Nach fast drei Wochen Regen kam er endlich, als hätten wir ihn bestellt: Der Sommer.

Armin

Im Herbst 2023 haben wir uns zum ersten Mal zu einem gemeinsamen Frühstück getroffen: Alois, Gerd, Peter und ich. Alle vier schrauben an und fahren mit alten Motorrädern. Jeder hat so seine Geschichte damit, seine Vorlieben und Abneigungen, seine Art zu schrauben und zu sammeln, da unterscheiden wir uns. Aber gemeinsam haben wir den Spaß am Thema und am Fahren. Zudem passen unsere Fahrstile ganz gut zusammen, so dass wir unsere kleine Alteisen-Kradisten-Frühstücksrunde zu einer gemeinsamen, noch jungen Tradition gemacht haben. Alle paar Wochen treffen wir uns zum Frühstück, jeder ist mal Gastgeber.

Beim Start in Rösrath. Praktisch ist das schon, so ein Seitenwagen-Kofferraum.

Irgendwann kam der Vorschlag, mal nach dem gemeinsamen Frühstück eine kleine Tour zu unternehmen, mal ging es in die Eifel, mal ins Sauerland. Im letzten Jahr haben wir dann die erste gemeinsame 4-Tage-Tour nach Bamberg unternommen, und da wir prima miteinander klar kommen, planten wir auch für dieses Jahr wieder eine solche 4-Tage-Tour.

Kaffee-Pause an der Mosel.

Dann war es im Laufe des Mai plötzlich tagelang recht nasskalt, und ich begann schon im Kalender nach einem Ausweichtermin zu schauen. Dazu kamen bei Alois Schulterschmerzen, mit denen er wohl nicht würde fahren können, und bei Peter noch eine rätselhafte Ölinkontinenz der BMW dazu. Und Gerd entdeckte, dass die Zylinderkopfdichtung seiner Honda beim Fahren Öl auf seine Stiefel blies. Unsere Touren-Pläne gerieten ins Wanken.

Tagesetappe geschafft, erste Übernachtung in Trier. Und gleicht kommt ein sehr leckeres Essen.

Gerd entschied dann ganz einfach, statt der fünfzigjährigen Honda die jüngere Kawasaki W 650 zu nehmen, und die Königswelle rotieren zu lassen. Alois dachte in dieselbe Richtung und entschied sich statt für die Norton für sein relativ junges BMW-Gespann, wo er deutlich komfortabler und entspannter sitzt. Und Peter zeigte Einsatz und schraubte am Tag vor unserer Fahrt bis in den Abend an seiner BMW, um ihr den weißen Rauch abzugewöhnen, und so mit mir und meiner 48jährigen Honda CB 400 FOUR die Oldtimer-Fahne hochzuhalten. Wenn das kein Einsatz ist.

Am ersten Tag gingen die Temperaturen bis über 30 Grad, also war viel trinken angesagt.

Vielleicht aber wollte die BMW ihm damit ja auch nur signalisieren, dass sie ihn als Papst gewählt hat, wer weiß. Dank Späßen dieser Art gab es immer wieder viel zu lachen, die Stimmung war bestens. Unsere abendlichen Unterhalten machten deutlich, wie unterschiedlich unsere Biografien und unsere Ansichten in manchen Dingen sind, aber da alle die erforderliche Toleranz und den gegenseitigen Respekt mitbringen, stellt das kein Problem dar. Leider scheint eine solche Haltung unter unseren Zeitgenossen immer seltener zu existieren.

Die Rentner-Gang.

Alois‘ pragmatische Entscheidung, das Gespann zu nehmen, machte nicht nur seine Teilnahme möglich, alle konnten auch einige Gepäckstücke im Seitenwagen verstauen. Und er hatte damit genug Gewicht im Boot, um die drei Räder vernünftig um die zahllosen Kurven zirkeln zu können. Peter wollte gleich im Anschluss an unsere Tour zu einem Gitarren-Lehrgang für Fortgeschrittene, und packte seine Gitarre dazu, damit er abends noch ein wenig üben konnte. So kamen wir auch noch zu guter Unterhaltung.

Unterhalb der Marks-Burg…
…die auch bei nächtlicher Beleuchtung sehr reizvoll aussieht, hatten wir unsere zweite Übernachtung.

Gerd hatte diesmal den Part übernommen, sich um die Übernachtungsmöglichkeiten zu kümmern. Seine Auswahl wurde im Vorfeld von allen ohne Veto angenommen, und sie war auch prima. Einzige Ausnahme war das Hotel in Bernkastel-Kues. Dort war es trotz Navi schon schwierig, die Unterkunft überhaupt zu finden. Dann gab es im Gegensatz zu den anderen Unterkünften einen recht unfreundlichen Empfang, zudem war der zugesagte Parkplatz am Hotel bereits vergeben, wir sollten die Motorräder weiter unten direkt zwischen Mosel und Durchgangsstraße abstellen. Nach kurzer Beratung waren wir uns einig, das nicht zu tun. Stattdessen fanden wir ohne langes Suchen eine sehr nette Ferienwohnung bei sehr netten Wirtsleuten oben zwischen den Weinbergen nur wenige Kilometer entfernt. Leider war der eigentlich geplante Besuch des Museums Zylinderhaus dann nicht mehr machbar.

Wenn der Hotelier eine Bäckerei/Konditorei betreibt, ist das Frühstück entsprechend gut.

Und als wir vor der Unterkunft das Gepäck von den Motorrädern luden, stellte Peter fest, dass er seine Brille verloren hatte. Also sind wir beiden zurück nach Bernkastel-Kues gefahren, während Alois und Gerd schon mal eingecheckt haben. Und tatsächlich: Am Parkplatz lag Peter‘s Brille, es war noch kein Auto drüber gerollt.

Das Leben ist schön… (Foto: Alois B.)
…und das Essen schmeckt. (Foto: Alois B.)

Am zweiten und dritten Tag war es nicht mehr ganz so heiß, und sobald wir Rhein- oder Mosel-Tal verließen, und die Kurven in Westerwald, Eifel und Hunsrück unter die Räder nahmen, hatten wir ideales Wetter zum Fahren. Ich hatte wieder den Job als Tour-Guide bekommen, und möglichst viele Nebenstrecken herausgesucht. Ich verwende bei Nachtfahrten, unbekannten Strecken und wenn ich in Städte muss, beim Autofahren gerne das Navi. Bei längeren Motorrad-Fahrten aber lege ich nach wie vor die Route vorher mit Hilfe einer guten Straßenkarte auf einem Touren-Plan fest, der dann im Tankrucksack-Fenster steckt.

Hat sich 50 Jahre bei mir bewährt: Der Tourenplan.

Allerdings wird das immer öfter schwierig, denn die Ausschilderung auf öffentlichen Straßen lässt immer mehr zu wünschen übrig. Mir scheint, bei den Verantwortlichen wird nach dem Motto „hat doch jeder nen Navi“ agiert. In Wittlich z. B. war die Ausschilderung nahezu Null. Da eh bald ein Tankstopp anstand, bin ich in eine Tankstelle gefahren. Die junge Kassiererin meinte, sie sei nicht von hier, und klapperte zur Entschuldigung heftig mit ihren falschen Wimpern. Ein Roller-Fahrer, der beim Tanken gerade ordentlich Sprit auf’s Pflaster hatte laufen lassen, erwiderte nur „keine Ahnung“. Ein junger Autofahrer zuckte mit den Schultern, und ein Motorradfahrer fragte mich nur vorwurfsvoll „haste kein Navi?“ Ich finde es manchmal erschreckend, wie einfachste Kompetenzen verloren gehen, weil der Mensch so bequem ist, und alles automatisiert. Also bin ich einfach nach Himmelsrichtung gefahren, und bald waren wir wieder auf unserer Route.

Vor dem Start noch ein Blick auf die Karte.
Immer wieder herrliche Blicke mit Weitsicht.

Unsere letzte Kaffee-Pause machen wir in Monreal, einem kleinen Ort mit wirklich sehr schöner, gepflegter, alter Bausubstanz, im Café Plüsch. Danach geht es zurück Richtung Rheintal. Wieder mal nehmen wir eine Fähre. Inzwischen hat uns die Hitze wieder eingeholt, so dass wir in Vettelschoß im Little Britain Inn noch ein Kaltgetränk genießen, und dann die letzten Kilometer abspulen. Es war eine sehr schöne Tour mit den Jungs!

Monreal. Ein kleines Juwel.
Die letzte Rhein-Überquerung auf dieser Tour.