Im Beitrag „Mobilität – Die Anfänge“ habe ich schon einige Fotos aus der Nachkriegszeit gezeigt. Schon wenige Jahre nach Kriegsende hat sich die inzwischen erwachsene Generation der Kriegskinder wieder auf den Weg gemacht. Zunächst in der näheren Umgebung, dann hat der Süden immer mehr gelockt.



Die erste Roller-Reise meiner Eltern ging gemeinsam mit einem befreundeten Paar nach Straßburg. Ich erinnere mich an eine Anekdote dieser Reise, über die sich mein Vater noch viele Jahre später amüsiert hat. Auf der Campingwiese gab es einen Bereich, der durch ein Schild gekennzeichnet war, und wo kein Zelt stand. Sein Freund, angehender Lehrer, hatte französisch gelernt, und meinte auf dem Schild stehe nichts Wichtiges. Offenbar waren die Französisch-Kenntnisse aber nicht so toll, denn das Schild wies darauf hin, dass dahinter keine Campingfläche mehr war. Vielmehr wurde dieser Bereich als Übungsfläche für die örtliche Feuerwehr genutzt. Und wie es der Zufall wollte, rückte diese prompt zu einer Übung an, und machte sich einen Spaß daraus, die Camper weg zu spritzen.

Es sollte nicht das einzige ‚feuchte‘ Erlebnis auf dieser Reise werden, wie mir meine Mutter mal lachend erzählte. Die Rückreise führte zum Bodensee, der aufgesuchte Campingplatz war recht voll. Aber ganz vorne, direkt am Seeufer gab es zur Verwunderung der Lambretta-Besatzungen noch freie Plätze, auf denen natürlich prompt das Zelt aufgestellt wurde. Irgendwann nachts wurde meine Mutter von einem leichten Schaukeln wach: Die Luftmatratze schwamm schon im knöcheltiefen Wasser, der See war wie in den Wetterwarnungen vorhergesagt über die Ufer getreten. Und die beiden Lambrettas standen so tief im Wasser, dass sie erst mal nicht mehr ansprangen.

Die nächste Reise führte mit einem anderen befreundeten Paar schon an den Gardasee. Der Fiat 600 ist vermutlich ein früher Fiat Jagst, ein Lizenzbau unter dem NSU-Label. Der wurde ab 1956 in Heilbronn gebaut, und trägt noch ein schwarzes Besatzungszonen-Kennzeichen, die es nur bis 1956 gab.


Heute schwer vorstellbar: Gefahren wurde in Anzug und Krawatte, obwohl man im Zelt campierte. Und Obwohl ich durch meine Motorradreisen einige Übung im kompakten Packen habe, frage ich mich, wie vier Erwachsene mit Campingausrüstung in den kleinen Fiat passten.



Die Lambretta wurde bald durch eine Isetta abgelöst, und meine Eltern machten sich mit der „Knutschkugel“ bald schon alleine wieder auf den Weg zum Gardasee.


1958 hatten dann die Freunde meiner Eltern den Fiat verkauft, und fuhren einen topmodernen Opel Rekord. Die Isetta blieb zuhause, und man reiste zu viert relativ luxuriös in dem für damalige Verhältnisse geräumigen Rüsselsheimer nach Rimini. Es sollte endlich bis ans Mittelmeer gehen.



Ich erinnere mich gut an den Opel, denn er war auch sieben Jahre später noch im Dienst, nur dass dann drei Jungs auf der Rückbank saßen. Und ich saß im neueren Modell meiner Eltern ebenfalls auf der Rückbank bei meiner ersten Reise ans Meer.


Die Isetta musste 1959 gehen, weil ich kam, und die kleine Familie erweiterte. Den Unterhalt für Kind und Auto konnten meine Eltern erst mal nicht stemmen. Mir sollte es im Studium nach der Geburt meiner Tochter 25 Jahre später nicht anders gehen, manche Dinge scheinen sich nie zu ändern. Also kam damals wieder eine Lambretta her, die mit einem Kindersitz ‚ausgebaut‘ wurde. Ihr folgte ein Gogomobil, in dem ich meinen ersten Unfall erlebte. Leider gibt es kein Foto davon, aber es taucht mal kurz auf einem 8-mm-Film auf. Auch die Opel Rekord und ihre Nachfolger sind auf 8-mm-Film erhalten.


