Film & Foto

Holz geht auch (2)

Es war 1982, im ersten Jahr meines Studiums. Zwar hatte ich noch immer mein Zimmer in der elterlichen Wohnung in Backnang, schließlich sattelte ich etwa alle drei bis vier Wochen zwischen März und November die HONDA und fuhr in die alte Heimat, aber nach und nach nahm ich das was ich brauchte und was mir wichtig war, mit in die Studentenbude. Und beim Räumen fiel mir dann auch das alte „Werkbuch für Jungen“ in die Hände. Und darin fand sich eine Bauanleitung für ein Holz-Kajak.

Armin

Wahrscheinlich haben die meisten Baby-Boomer in jungen Jahren dem jeweils nächsten Teil des ZDF-Vierteilers „Tom Sawyers und Huckleberry-Finns Abenteuer“ genauso entgegengefiebert, wie ich damals. Und wenn ich heute (auf Youtube) mal in einen der Teile reinschau, finde ich immer noch, dass diese Verfilmung mit ihren beiden jungen Hauptdarstellern einen besonderen Charme hat. Eine Flussfahrt wie such Huck mit dem entflohenen Jim in Teil vier unternimmt, schien durchaus ein lohnendes Abenteuer. Und auch als meine Kinder in das Alter kamen, solche Abenteuer im Film interessant zu finden, gab es entsprechend sehenswertes Material, "Flußfahrt mit Huhn" ist ebenfalls ein Film mit Charme, noch vor der Zeit von Internet und Sozialen Medien entstanden.

Boden und Spundwände des ersten Kajaks sind fertig.

Praktisch, wenn ein Freund ein Zimmer unterm Dach hat, wo der Rest des Dachstuhls ein mehr oder weniger leer stehender Raum ist. Und wenn man dann die gemeinsame ‚Schnapsidee‘ kurzerhand umsetzt, und der Bauanleitung in besagtem Buch folgt.

Erste Sitzprobe im Rohbau.

Ich hatte Semesterferien, so dass der Bau der beiden Kajaks zügig voran ging. Spannend wurde es, als wir feststellten, dass sie wegen eines Messfehlers nun doch nicht durch das alte Giebelfenster passten, um sie von da auf den Balkon und dann den Hinterhof abzuseilen. Also musste kurzerhand der alte Fensterrahmen nach dem Motto „da muss eh mal ein neues Fenster rein“ dran glauben.

Na also, sie schwimmen und sind dicht.

Und noch spannender wurde es, als wir die beiden doch recht schweren Kajaks auf den Dachgepäckträger eines Fiat 127 luden, und auf der Murr kurz vor Oppenweiler für einen ersten Test zu Wasser brachten. Unsere Begeisterung war groß, auch wenn sie ein wenig schwer geraten waren, sie ließen sich gut fahren und waren dicht.

Alle Testkriterien erfüllt!

Also stand die nächste Probefahrt an, schließlich wollten wir mit den Kajaks nach Irland und den Oberlauf des Shannon bis zum Lough Derg hinunter paddeln. Diesmal gings es ins Jagsttal, drei Tage flussabwärts.

Mittagspause am Jagstufer.

Auch auf dieser kleinen Flussreise bewährten sich unsere Kajaks prima. Außerdem erregten sie dank ihrer Einmaligkeit immer wieder Aufmerksamkeit bei Passanten und anderen Paddlern.

Abends mal das Boot umdrehen, und das wenige Wasser, dass meist über das Einsteigen und die Paddel in die Boote kam, ablaufen lassen.

Damit stand unserem Irland-Trip nichts mehr im Wege, aber das ist eine andere Geschichte.

Der Fiat ist geladen, früh am anderen Morgen geht es weit nach Westen.