Den Anfang hat Markus gemacht. Er ist schon früh im Jahr auf die Piste gegangen und in Frankreich gestartet. Geendet hat es mit einem Sturz Richtung Kiesbett, der ihm eine Woche Krankenhaus und eine erheblich beschädigte 850er Weslake eingebracht hat.

Auch die schönen Sommer-Ausfahrten mit Piet fallen diese Saison sparsamer aus. Job und Master-Studium gleichzeitig fordern ihn. Und der rekordverdächtige Hitzesommer lockt nicht wirklich zum Motorradfahren, unter dem Helm wird das Hirn gekocht.

Meine beiden Renner sind startklar für die Saison und ich mache mich zusammen mit dem hessischen Triple-Spezialisten auf den Weg nach Schleiz. Wir fahren diesen reizvollen Kurs beide sehr gern. Stellplatz im Fahrerlager, Papierabnahme, technische Abnahme, soweit läuft alles rund.




Ich treffe auch Peter, aber auf meine Frage, wo seine Eckert-Honda steht, erfahre ich, dass er in Most damit im Kiesbett gelandet ist. Ärgerlich!

Als wir die beiden Rennmaschinen auf die Startmaschinen schieben, fliegt beim Startversuch sofort die Sicherung. Da anscheinend meine Startmaschine die Ursache war, flitze ich in voller Rennmontur zum Sicherungskasten. Später stelle ich einen Kurzschluss wg. eines Schadens am Kabel fest. Auf Ago’s Startmaschine können wir dann beide Bikes starten.

Aber irgendwie will die Honda nicht so recht auf Touren kommen, hat immer wieder Fehlzündungen. Also fahre ich nach einer ziemlich lahmen Runde erst mal wieder raus. Ago hat sich inzwischen warm gefahren, das freie Training absolviert und kommt wieder rein, während ich schon am Schrauben bin. Schon im vergangenen September in Hockenheim hatte die Zündung der Honda gezickt, beim Test vor Schleiz lief sie aber normal. Kein Problem, denke ich mir, ich hab ja vorsorglich neue Zündspulen besorgt. Um dann festzustellen, dass die zuhause in meiner Werkstatt liegen. Versuche im Fahrerlager Ersatz zu besorgen scheitern, damit ist’s für mich gelaufen.

Ich mache mich auf den Weg zur Tribüne um ein paar gute Fotos zu schießen, als Ago sich auf den Weg zum Zeittraining macht. Aber nach wenigen Runden wird der Lauf abgebrochen, für lange Zeit herrsch Stille. Im Fahrerlager ist nichts von Ago zu sehen, und ich erfahre, dass es einen schweren Crash gegeben hat. In der Halle sehe ich eine ziemlich zerpflückte Bimota und Ago’s nicht dramatisch beschädigten Triple. Der Tank hat keinen Kratzer. Niemand kann mir genaueres sagen, also mach im mich auf den Weg zur Boxengasse. Auf halbem Weg kommt er mir mit dem Helm in der Hand entgegen.

Die Schäden am Motorrad sind überschaubar und lassen nicht ahnen was passiert ist. Offenbar hat ihn ein anderer Fahrer im schnellsten Streckenabschnitt touchiert, so dass er bei High Speed über den Lenker gegangen ist. Der Nachfolgende Bimota-Fahrer ging ebenfalls zu Boden und hat sich ernsthaft verletzt. Ago ist mit einer Nackenzerrung inclusive Schleudertrauma davon gekommen. Schwein gehabt!

Der Sommer plätschert so dahin, Alois schaut mal wieder mit seiner Norton Roadster vorbei, Gerd schickt ein Foto von einer Tour mit einem alten Freund.

So richtig viel fährt wegen der extremen Hitze keiner. Martin trennt sich von seiner Buell und liebäugelt mit einer Enfield.

Mit Hermann habe ich Zivildienst gemacht, und während des Studiums in einer WG einige Zeit zusammen gewohnt. Damals war er immer mit einem Heinkel-Roller unterwegs. Seine Frau hat ihm in Erinnerung daran eine Ausfahrt auf gemieteten Vespas spendiert. Man soll gewisse Unterschiede den Roller betreffend festgestellt haben…

Jörg meldet sich aus der Boxengasse, er ist mal wieder mit der NSU-Truppe unterwegs, rollendes Kulturgut bewegen.


Ago ist noch steif im Nacken. Am Tag nach dem Sturz meinte er: „Ich fühl mich, als wäre eine Planierraupe über mich drüber gefahren.“ Das hält ihn aber nicht davon aus, die Schäden am Triple schon mal zu beheben.

Auch bei Frank läuft’s nicht rund, die Clubman streikt. Alles deutet auf ein defektes Auto-Deko-System hin. Also wagt er sich an’s Zerlegen, baut sogar ein Werkzeug selbst. Das Auto-Deko-System ist tatsächlich defekt, aber nach der Reparatur will sie immer noch nicht. Mal sehen, ob das seinen Schrauber-Ehrgeiz weckt.



Aber die allgemeine Pechsträhne in dieser Saison reißt nicht ab. Als wir nach unserer Alteisen-Kradisten-Frühstücksrunde unsere obligatorische Ausfahrt machen, kann Peter nicht mit. Er muss erst die Folgen eines Rennradsturzes auskurieren. Kaum losgefahren macht die Norton Commando von Alois mit Fehlzündungen auf sich aufmerksam. Ich kenne Alois seit 25 Jahren, seine Nortons liefen immer, ich kann mich nur an eine Panne erinnern.


Er steigt kurzerhand für die Tour auf sein Gespann um. Überraschender Weise geht es ihm wie Frank. Trotz Tausch aller relevanten Komponenten will die Norton nicht laufen. Ist das womöglich ein ansteckender Virus?

Ich mache inzwischen die CB72 für die Teilnahme am Schottenring Grand Prix startklar, viel ist daran nicht zu tun. Als ich das Equipment bei glühender Hitze in den Bus lade, kommt es zu einem bösen Sturz aus einiger Höhe. Kopf, Rücken, Rippen, Becken und Hüfte bekommen etwas ab. Aber das schlimmste sind mehrere bös überdehnte Fingergelenke und verstauchte Finger. Mir wird schnell klar, dass damit in Frage steht, ob ich in dieser Saison überhaupt noch mal Motorrad fahren kann, ganz zu schweigen von einer Renn-Teilnahme.

Piet und Toby wollten mich in Schotten besuchen, Gerd und Ebbe sind mit dem Motorrad extra angereist. Und mit Harald und Jochen war ich auch verabredet. Also rapple ich mich, lädiert wie ich bin, doch dazu auf mit Piet und Toby per PKW nach Schotten zu fahren. Schade, als Teilnehmer ist der Spaßfaktor doch deutlich größer.

Anfang September wage ich es dann. An der Clubman sind Kupplung und Bremse recht leichtgängig, und ich kann den Lenker wieder halbwegs halten. Sonntagabends drehe ich eine kleine Runde. An der Alten Schule lege ich eine Pause ein. Eine Egli-Kawasaki und eine Egli-Honda stehen auf dem Parkplatz, ein seltener Anblick.


Und nach unserem Alteisen-Kradisten-Frühstück am anderen Morgen machen wir eine kleine Tour durch’s Oberbergische. Mit ausgiebiger Kaffee-Pause machen meine Hände mit. Mal sehen was diese Saison noch geht.

