Wobei der Anfang ja die Glasplattenfotografie war, der Film war noch nicht erfunden. Die lichtempfindliche Chemie wurde auf Glasplatten gedampft, und dann Pi mal Daumen durch zeitweises Entfernen der Objektivkappe belichtet. Und damit von hinten kein Licht auf die Glasplatte fiel, deckte der Fotograf die Kamera und seinen Kopf mit einem schwarzen lichtundurchlässigen Tuch ab.


Foto und Film haben mich schon immer angesprochen, und tatsächlich habe ich einige Zeit über eine berufliche Orientierung in diese Richtung nachgedacht. Insbesondere historische Fotos und Filme fand ich immer spannend, weil sie Geschichte ein Gesicht gegeben haben.

Und oft sind es schnell vergessene Ereignisse, die nie den Weg in ein Geschichtsbuch finden, aber für die Beteiligten prägend sein können. So werde ich den Feuerwehreinsatz, der beim Brand des Hauses gegenüber unserer Wohnung stattfand, und den ich als Kind als einer der Ersten entdeckte, wohl nie vergessen.


So lange ich denken kann, hat mein Vater gefilmt. Der erste Film im Familienarchiv ist noch in schwarz-weiß und dürfte etwa 1962/63 entstanden sein. Ich kann mich gut an die Kamera erinnern, mein Vater hatte sie noch lange in Gebrauch. Batterien oder Akkus waren noch nicht im Einsatz, tatsächlich musste man eine Art Uhrwerk aufziehen, um zu filmen. Das lief dann recht zügig ab, längere Szenen waren also nicht machbar. Es handelte sich um eine Schmalfilmkamera Lumicon-8 III. Auch damals kamen Kameras schon aus Japan.

Gelegentlich lieh sich mein Vater aber auch den Fotoapparat meines Großvaters aus. Die Fotos landeten in der Regel nicht in irgendeiner Schuhschachtel ganz unten, hinten im Schrank, sondern wurden in Alben geklebt. Die ersten Fotoalben die er angelegt hat, stammen tatsächlich aus seiner Kindheit, und enthalten zahlreiche Fotos der Wehrmachtszeit meines Großvaters. Dieser muss also tatsächlich schon zu jener Zeit einen Fotoapparat besessen haben.


Es gab auch thematische Fotoalben fast sein ganzes Berufsleben verbrachte mein Vater am Zeichenbrett bei AEG Telefunken. Seine Abteilung entwickelte Nachrichtentechnik und bestückte z. B. die ersten Ariane-Satelliten. Und es gab eine Hobby-Film- und Fotogruppe im Betrieb, die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt bekam. Heute kaum vorstellbar. Lange Zeit benutze er für Filmvorführungen seinen ersten Projektor, einen EUMIG Phonomat P8. 1954 auf den Markt gekommen, wurde dieses Modell immer weiter entwickelt. Wie hoch die Qualität dieses Produkts war, sieht man an der Fülle der Angebote auf ebay.

Ich muss etwa zwölf gewesen sein, als ich endlich meinen ersten Fotoapparat bekam. Und da mein Vater Verständnis für meinen Wunsch hatte, war es eine Spiegelreflex-Kamera mit Wechselobjektiven: Eine EXA IIb. Wer damit brauchbare Fotos machen wollte, musste sich in die Materie einarbeiten, nichts daran hat automatisch funktioniert. Welchen Film für welche Lichtverhältnisse? Wann welche Belichtungszeit und welche Blende? Für die heutigen Smartphone-Knipser alles Fremdwörter.

Aber es war wie immer: Je mehr man sich in ein Thema arbeitet, umso mehr wachsen die Ansprüche. Schon nach wenigen Jahren wollte ich eine Kamera mit Halbautomatik. Während die Meisten zu einer Nikon oder Minolta mit Belichtungszeitautomatik griffen, gab ich etwas mehr aus und legte mir eine Canon AE1 zu. Die hatte eine Blendenautomatik. Je nach Fotoobjekt konnte ich lange oder kurze Belichtungszeit wählen, die Kamera stellte den Objektivring auf die dazu passende Blende. Das war insbesondere bei schnell bewegten Motiven hilfreich.

Diese Kamera hat mich nie im Stich gelassen. Bei Wind und Wetter, Regen, Nässe, Hitze, endloser Schüttelei auf vielen Motorrad-Kilometern, und mechanischer Beanspruchung durch Stürze, sie hat immer funktioniert. Könnte man solche Qualitäten nicht auch mal ins Lastenheft heutiger Digitalkameras schreiben?


Lange habe ich ohne besonderen Schwerpunkt alles, was mir vor die Linse kam und irgendwie interessant schien, in Bildern festgehalten. Mit Hausbau und Kindern wurden Familienfotos einige Zeit zum Schwerpunkt. So ist ein Archiv aus Familienfotos, zeitgeschichtlichen und politischen Themen, Reisefotografie und anderen Themen entstanden. Und manches wird gerade durch die Zeit, die seit dem Entstehen der Fotos verstrichen ist, erst interessant.


Einiges davon werde ich hier in nächster Zeit aufbereiten und hier zeigen. Und als Videofilm sich etabliert hatte, und bezahlbar wurde, folgte ich dem Beispiel meines Vaters, und begann ebenfalls zu filmen. Hier entwickelten sich schnell SONY-Kameras zu meinen Lieblingen. Seit einigen Jahren kommt eine SONY NEX VG20E zum Einsatz. Diese ehemals semi-professionelle Cam bietet die Möglichkeit Wechselobjektive einzusetzen, sogar meine alten Canon-Linsen kann ich verwenden. Dann natürlich ohne Auto-Focus-Funktion. Außerdem liefert sie erstklassige Fotos. Aber ich gebe zu: Für Fotos wird inzwischen auch von mir meistens das Smartphone benutzt. Zu Beginn meiner Fotografie-Versuche unvorstellbar, so klein, so leicht, so eine hohe Auflösung und Bildqualität, und man hat es immer dabei. Keine teuren Filme kaufen, keine Nächte die man sich im Fotolabor um die Ohren schlägt. Was hätte ich alles im Fotoarchiv, hätte ich so eine Technik schon in jungen Jahren zur Verfügung gehabt.

Andererseits: Wer bewältigt diese Masse an Fotos, die heute mit Smartphones geschossen werden. Hier gilt sicher die Regel ‚Masse statt Klasse‘. Und ich nehme an, dass das Meiste gelöscht wird, wenn man mal wieder schnell freien Speicherplatz braucht.

