Film & Foto

Wie kommt man zur Fotografie?

Wie hat das alles bei mir angefangen? Diese Frage ist mir gekommen, als ich vor einiger Zeit angefangen habe, meine Dias und Negative zu ordnen und zu digitalisieren. Dann kamen aus dem Nachlass meines Vaters und Großvater noch viele Fotos, Negative und 8-mm-Filme dazu, und mir wurde klar, dass es in meiner Familie wohl schon immer eine gewisse Affinität zu Celluloid gab.

Armin

Wobei der Anfang ja die Glasplattenfotografie war, der Film war noch nicht erfunden. Die lichtempfindliche Chemie wurde auf Glasplatten gedampft, und dann Pi mal Daumen durch zeitweises Entfernen der Objektivkappe belichtet. Und damit von hinten kein Licht auf die Glasplatte fiel, deckte der Fotograf die Kamera und seinen Kopf mit einem schwarzen lichtundurchlässigen Tuch ab.

Eines der ältesten Fotos im Familienarchiv: Glasplattenaufnahme meiner Ur-Ur-Großeltern, vermutlich vor 1900.
Mit solchen Kameras wurden die Glasplatten belichtet.

Foto und Film haben mich schon immer angesprochen, und tatsächlich habe ich einige Zeit über eine berufliche Orientierung in diese Richtung nachgedacht. Insbesondere historische Fotos und Filme fand ich immer spannend, weil sie Geschichte ein Gesicht gegeben haben.

Laubenkolonien-Glück nahe dem Waldheim Backnang zwischen zwei Weltkriegen.

Und oft sind es schnell vergessene Ereignisse, die nie den Weg in ein Geschichtsbuch finden, aber für die Beteiligten prägend sein können. So werde ich den Feuerwehreinsatz, der beim Brand des Hauses gegenüber unserer Wohnung stattfand, und den ich als Kind als einer der Ersten entdeckte, wohl nie vergessen.

Logenplatz am Fenster der großelterlichen Wohnung. Der Brand wurde rechtzeitig entdeckt und gemeldet, so dass sich der Schaden in Grenzen hielt.
Alle Fahrzeuge auf diesem Foto wären heute Sammler- oder Museumsstücke. Das Foto entstand in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre in Backnang.

So lange ich denken kann, hat mein Vater gefilmt. Der erste Film im Familienarchiv ist noch in schwarz-weiß und dürfte etwa 1962/63 entstanden sein. Ich kann mich gut an die Kamera erinnern, mein Vater hatte sie noch lange in Gebrauch. Batterien oder Akkus waren noch nicht im Einsatz, tatsächlich musste man eine Art Uhrwerk aufziehen, um zu filmen. Das lief dann recht zügig ab, längere Szenen waren also nicht machbar. Es handelte sich um eine Schmalfilmkamera Lumicon-8 III. Auch damals kamen Kameras schon aus Japan.

Noch immer im Familien-Besitz: Die Lumicon. Und sie funktioniert auch noch immer.

Gelegentlich lieh sich mein Vater aber auch den Fotoapparat meines Großvaters aus. Die Fotos landeten in der Regel nicht in irgendeiner Schuhschachtel ganz unten, hinten im Schrank, sondern wurden in Alben geklebt. Die ersten Fotoalben die er angelegt hat, stammen tatsächlich aus seiner Kindheit, und enthalten zahlreiche Fotos der Wehrmachtszeit meines Großvaters. Dieser muss also tatsächlich schon zu jener Zeit einen Fotoapparat besessen haben.

Mein Großvater (letzte Reihe links), eigentlich gelernter Schreiner, im Straßenbau. Laut dem im Familienarchiv erhalten gebliebenen Arbeitsbuch begann seine Beschäftigung bei der Firma Müller am 19.06.1936.
AEG-Telefunken, Abteilung Nachrichtentechnik.

Es gab auch thematische Fotoalben fast sein ganzes Berufsleben verbrachte mein Vater am Zeichenbrett bei AEG Telefunken. Seine Abteilung entwickelte Nachrichtentechnik und bestückte z. B. die ersten Ariane-Satelliten. Und es gab eine Hobby-Film- und Fotogruppe im Betrieb, die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt bekam. Heute kaum vorstellbar. Lange Zeit benutze er für Filmvorführungen seinen ersten Projektor, einen EUMIG Phonomat P8. 1954 auf den Markt gekommen, wurde dieses Modell immer weiter entwickelt. Wie hoch die Qualität dieses Produkts war, sieht man an der Fülle der Angebote auf ebay.

Der EUMIG Phonomat P8 aus Österreich.

Ich muss etwa zwölf gewesen sein, als ich endlich meinen ersten Fotoapparat bekam. Und da mein Vater Verständnis für meinen Wunsch hatte, war es eine Spiegelreflex-Kamera mit Wechselobjektiven: Eine EXA IIb. Wer damit brauchbare Fotos machen wollte, musste sich in die Materie einarbeiten, nichts daran hat automatisch funktioniert. Welchen Film für welche Lichtverhältnisse? Wann welche Belichtungszeit und welche Blende? Für die heutigen Smartphone-Knipser alles Fremdwörter.

Geliebt und viel benutzt: Die EXA IIb.

Aber es war wie immer: Je mehr man sich in ein Thema arbeitet, umso mehr wachsen die Ansprüche. Schon nach wenigen Jahren wollte ich eine Kamera mit Halbautomatik. Während die Meisten zu einer Nikon oder Minolta mit Belichtungszeitautomatik griffen, gab ich etwas mehr aus und legte mir eine Canon AE1 zu. Die hatte eine Blendenautomatik. Je nach Fotoobjekt konnte ich lange oder kurze Belichtungszeit wählen, die Kamera stellte den Objektivring auf die dazu passende Blende. Das war insbesondere bei schnell bewegten Motiven hilfreich.

Canon AE1.

Diese Kamera hat mich nie im Stich gelassen. Bei Wind und Wetter, Regen, Nässe, Hitze, endloser Schüttelei auf vielen Motorrad-Kilometern, und mechanischer Beanspruchung durch Stürze, sie hat immer funktioniert. Könnte man solche Qualitäten nicht auch mal ins Lastenheft heutiger Digitalkameras schreiben?

Noch vor dem Mauerfall: Das Brandenburger Tor in Berlin in der zweiten Hälfte der Siebziger.
Schallplatten sind seit einigen Jahren wieder im Kommen. Der Plattenladen Musikuss in Backnang Anfang der achtziger Jahre. Hier durfte ich meine Kreativität austoben, und die alte Ladentheke verschönern, sowie ein Plattencover-Motiv auf die Wand übertragen. Drei Tage hat es gedauert…

Lange habe ich ohne besonderen Schwerpunkt alles, was mir vor die Linse kam und irgendwie interessant schien, in Bildern festgehalten. Mit Hausbau und Kindern wurden Familienfotos einige Zeit zum Schwerpunkt. So ist ein Archiv aus Familienfotos, zeitgeschichtlichen und politischen Themen, Reisefotografie und anderen Themen entstanden. Und manches wird gerade durch die Zeit, die seit dem Entstehen der Fotos verstrichen ist, erst interessant.

1983: Pershing-Blockade in Mutlangen. Rüstung – ein Thema das uns jetzt wieder einholt.
Die erste Studentenbude in Köln: Matratze auf den Boden, Möbel vom Sperrmüll neu lackiert, die schimmeligen Souterrain-Wände einfach dick überstrichen. Mehr war nicht drin, Hauptsache man hatte endlich eine Bude. Die Vermieterin wohnte mit im Haus, es gab nur eine Toilette. Bis auf Küche Bad und Wohnzimmer im Erdgeschoss hatte sie im Obergeschoss und unter dem Dach alle Zimmer mit Stockbetten vollgestellt, und vermietete die ‚Schlafplätze‘ zu Wucherpreisen. Auch dieses Thema hat uns wieder eingeholt.

Einiges davon werde ich hier in nächster Zeit aufbereiten und hier zeigen. Und als Videofilm sich etabliert hatte, und bezahlbar wurde, folgte ich dem Beispiel meines Vaters, und begann ebenfalls zu filmen. Hier entwickelten sich schnell SONY-Kameras zu meinen Lieblingen. Seit einigen Jahren kommt eine SONY NEX VG20E zum Einsatz. Diese ehemals semi-professionelle Cam bietet die Möglichkeit Wechselobjektive einzusetzen, sogar meine alten Canon-Linsen kann ich verwenden. Dann natürlich ohne Auto-Focus-Funktion. Außerdem liefert sie erstklassige Fotos. Aber ich gebe zu: Für Fotos wird inzwischen auch von mir meistens das Smartphone benutzt. Zu Beginn meiner Fotografie-Versuche unvorstellbar, so klein, so leicht, so eine hohe Auflösung und Bildqualität, und man hat es immer dabei. Keine teuren Filme kaufen, keine Nächte die man sich im Fotolabor um die Ohren schlägt. Was hätte ich alles im Fotoarchiv, hätte ich so eine Technik schon in jungen Jahren zur Verfügung gehabt.

Reisefotografie: Im Januar Anfang der neunziger Jahre in den schottischen Highlands.

Andererseits: Wer bewältigt diese Masse an Fotos, die heute mit Smartphones geschossen werden. Hier gilt sicher die Regel ‚Masse statt Klasse‘. Und ich nehme an, dass das Meiste gelöscht wird, wenn man mal wieder schnell freien Speicherplatz braucht.