Unsere kleine Alteisentreiber-Frühstücksrunde geht nun schon in ihr viertes Jahr. Alle paar Wochen treffen wir uns reihum mal bei jeden von uns Vieren zum Frühstück. In diesem Jahr ist Peter der Erste, der bei strahlendem Sonnenschein mit dem Motorrad anreist, so eine tadellose Honda CB 400 FOUR ist immer eine Augenweide, und der Sound stimmt auch. Bei bestem Wetter, aber am frühen Morgen einstelligen Temperaturen bevorzugen Gerd und Alois noch das beheizte Auto. Wir werden alle nicht jünger.

Eine gute Woche später rolle ich die Clubman nach der dieses Jahr erst spät erfolgten Winterinspektion von der Hebebühne und drehe als Probefahrt eine erst Runde durchs Bergische Land.

Alois gesellt sich mit seinem Gespann dazu, die Nortons dürfen mit ihren Saisonkennzeichen noch nicht. Piet geht es genauso, und kurz überlegt er, ob er die Clubman mitnimmt, denn die wiederkehrenden Streiks im ÖPNV erschweren ihm die Fahrten zu Job und Uni deutlich.
Mein alter Schul- und Mopped-Freund Ingo gleitet langsam in das Pensionärs-Dasein und tauscht den Zahnarzt-Bohrer gegen den Schraubenschlüssel, ganz wie früher. Offensichtlich hat er Spaß dabei.

Als ich bei Gerd vorbei schaue, ergibt sich die Gelegenheit, mal in die Schrauber-Höhle des Nachbarn zu schaun. Es ist immer wieder spannend, was für Schätze in Garagen, Schuppen und auf Dachböden schlummern. Ich bin nicht der einzige Jäger und Sammler.


Am ersten Mai darf Piet endlich seine 400 FOUR wieder auf der Straße bewegen, das gute Wetter hat ihn diesbezüglich schon etwas ungeduldig gemacht. Wir fahren bei Kaiserwetter gemeinsam zur Motorrad-Oldtimer-Rallye nach Dom Esch.

Am Vorabend hole ich die Honda von der Hebebühne und bemerke dabei eine Fehlfunktion der Bremse. Der entspannte Abend hat sich damit erledigt, denn ich brauche volle 90 Minuten, bis alles zu meiner Zufriedenheit funktioniert, und eine störungsfreie erste Ausfahrt gesichert scheint. Kochen fällt deshalb aus, der örtliche Döner-Lieferant freut sich.

Ich finde an dieser Veranstaltung immer die große Zahl an Vorkriegsmotorrädern und die Vielfalt und Bandbreite von dem was es zu sehen gibt richtig klasse.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich den Weg noch weiß, letztes Jahr habe ich mich verfahren. Deshalb übernimmt Piet diesmal die Handy-Navigation und die von ihm ausgewählte alternative, etwas längere Route ist tatsächlich netter. Die beiden 400er summen ihr Lied im Chor, und wir wählen fast identische Schaltpunkte, obwohl Piet mit Sozius fährt. Ralf Schneider hatte das im Artikel in der MOTORRAD CLASSIC über die Restaurierung seiner 400er mal sehr treffend beschrieben: „Das Nähmaschinchen ist ein perfektes Realitätsfluchtfahrzeug, indem es die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht. Manchmal brauche ich das.“ Ich verstehe sehr gut was er meint, und auch nach 48 gemeinsamen Jahren funktioniert das noch. Eigentlich sogar noch mehr.

Die Mofa- und Moped-Fraktion ist auch immer stark vertreten. Als Gruppen rollen immer die Kreidler- und die Zündapp-Gang auf das Gelände.



Ich treffe Alois und Rita, Peter, Guido, schlendere mit den Jungs über das Gelände, erzähle den beiden interessierten Youngsters ein bisschen was zu dem was wir da sehen. Die Zweitaktfraktion ist nicht nur in der Schnapsglas-Klasse mal wieder stark vertreten. Naturgemäß sind bei den Motorrädern bis in die 50er-Jahre etliche mit dem blauen Rauchfähnchen dabei.


Egal welche Oldtimer-Philosophie der Einzelne vertritt, es scheinen alle Spaß zu haben.

Im vergangenen Jahr waren sieben der 150 Rallye-Teilnehmer auf über 100-jährigen Motorräder 100 km durch die Eifel unterwegs. Die gesamte Organisation incl. Catering wird von den engagierten Motorsport-Mitgliedern getragen. Da kann es mal holpern, aber dafür stimmen die Preise und die Atmosphäre. Und es kostet keinen Eintritt. Sowas trifft man nicht mehr oft an.





Mir macht es natürlich Spaß, mit Piet und seinen Freunden unterwegs zu sein, und von meinem Wissen ein klein wenig an sie weiter zu geben, sofern sie interessiert sind. Schließlich gibt es in der digitalen Gegenwart gar nicht mehr so viel davon.

Auf dem Heimweg mache ich noch eine kurze Pause an der Alten Schule, und es trifft mich ein Kulturschock. Etwa ein Viertel der Motorräder auf dem vollen Parkplatz sind die rollenden digitalen Plastik-Motorrad-Gebirge deutscher Herkunft, das zweite Viertel ist aktuelles US-Schwermetall. Der Rest ist übermotorisiertes japanisches Material im Transformers-Design. Natürlich bleibt die Zeit nicht stehen, Veränderung ist bekanntlich die einzige Konstante. Aber ich bleib beim Alteisen: Mehr Vielfalt! Und passt auch besser zu mir…
