Motorrad

Überwintern

Noch bin ich mit der Sanierung meiner Werkstatt beschäftigt, nachdem die alten Öltanks endlich raus sind. Und das geht langsamer voran als mir lieb ist, denn die immer wieder sehr niedrigen Temperaturen sind weder für mich, noch für Beton, Putz, Gips und Farben, die noch feucht sind, besonders gut.

Armin

Also lässt es sich nur daran arbeiten, wenn ich ordentlich einheize, was sich aber für 1-2 Stunden, die ich an manchen Tagen nur investieren kann, nicht lohnt.

Sieht schon passabel aus, aber es fehlen noch der zweite Anstrich, die Deckenisolierung, Lampen…

Also nutze ich diese Stunden immer wieder, um Filme, Fotos und andere Archivalien zu ordnen und zu digitalisieren. Und dabei tauchen immer wieder interessante Dinge und Bilder auf. So auch der Nachwuchsrocker auf der BMW des Aufmacherfotos. Entstanden ist es etwa 1975 auf einem Campingplatz an der französischen Atlantik-Küste.

Eine Douglas mit quer eingebautem Boxer-Motor.

Ebenfalls aus dem Archiv ist das 1993 während einer Schottlandreise mit meinem Vater entstandene Foto einer Douglas mit quer eingebautem Boxer-Motor. Ursprünglich hatte Douglas die Motoren längs eingebaut, was beim Boxer zwangsläufig für einen sehr langen Radstand mit entsprechend nachteiligen Auswirkungen auf die Handlichkeit des Motorrads sorgt. Im Beitrag „Museumstrip nach Schwabistan“ ist eine solche Douglas zu sehen. Übrigens hat Douglas das Boxer-Prinzip etwa 15 Jahre vor BMW umgesetzt, auch wenn heute jeder beim Boxer zuerst an BMW denkt.

Die zwei Motorrad-Exponate der Ausstellung „Rasant durchs Siebengebirge“ mit denen an die Renn-Geschichte erinnert wurde.

Eine der Annehmlichkeiten des Rentner-Daseins ist, dass man sich an einem verregneten Wochentags-Vormittag nach dem Frühstück einfach mal ins Auto setzen und in ein Museum fahren kann. Das Königswinter ist nicht weit, und das örtliche Siebengebirgsmuseum lockte mit der Ausstellung „Rasant durchs Siebengebirge“, die einen bunten Mix zum Thema Mobilität von 1870 bis 1970 zeigte. Interessant, aber leider war natürlich das Thema Motorrad eher knapp bemessen. Tatsächlich gab es bis in die 50er Jahre Motorradrennen im Siebengebirge. Am interessantesten waren eigentlich die beiden Filmdokumente, die man an einem Bildschirm starten konnte. In den 50ern ging es mit kaum modifizierten Serien-Maschinen an den Start, und ein erheblicher Teil der ‚Rennstrecke‘ ging über kaum befestigte Feld- und Waldwege. Insbesondere bei Regen war das schnell eine glitschige Schlammschlacht, die die Fahrer ziemlich forderte.

Die Plakette ‚Siebengebirgskranz‘ als Sieger-Prämie.
Alte Sammler-Stücke erinnern an eine andere Motorrad-Zeit.

Ich erinnere mich, dass ich während des Studiums auf der Rückfahrt meiner Heimatbesuche mit dem Motorrad in Königswinter immer aus dem Rheintal ins Siebengebirge abgebogen bin. Die Straße über den Petersberg, vorbei am damaligen Gästehaus der Bonner Bundesregierung ging in gut ausgebauten Serpentinen durch den Wald. Das Verkehrsaufkommen war noch relativ gering, eine Geschwindigkeitsbeschränkung gab es auch noch nicht. Es war nicht mehr weit bis zur Studentenbude in Köln, also hab ich der Honda auf diesem Streckenabschnitt immer die Sporen gegeben, der Motor war ja nach etwa 350 km Landstraße gut auf Betriebstemperatur.

Alte Fotos zeigen beeindruckend, welcher Wandel sich in der Region vollzog, als Ende des 19. Jahrhunderts der Straßenbau massiv forciert wurde. Bis dahin hatte es meist nur unbefestigte Karrenwege gegeben.
In den Siebzigern nahm der Verkehr immer mehr zu, so dass Anwohner im engen Rheintal für den Bau von Umgehungsstraßen demonstrierten.

Und natürlich bekomme ich von den Freunden und Bekannten aus der Zweirad-Szene immer wieder mal interessantes Bildmaterial geschickt, was erfreulich ist. Alois hat die Moto Retro Wieze in Belgien besucht, Ramon schickt mir interessante Fotos von der Oldtimermesse Maastricht in den Niederlanden. Wenn das nicht reiselustige Senioren sind.

Moto Retro Wieze.
Oldtimermesse Masstricht. Dieser Seitenwagen trägt zurecht die Bezeichnung Boot.

Eben habe ich den zweiten Anstrich auf dem neuen Estrich in der Werkstatt fertig gestellt. Jetzt heißt es wieder warten, bis alles ausgehärtet ist.