Martin hat sich endlich aufgerafft und saniert den Motor seiner Zweitaktrakete. Eigentlich kein Problem, er ist recht logisch und beherrschbar aufgebaut, auch wenn das mit den ‚nur‘ drei bewegten Teilen bei solchen Hochleistungs-Zweitaktern nicht mehr so ganz stimmt.

Und ‚eigentlich‘, weil hier die Ersatzteilbeschaffung inzwischen echt schwierig ist. Das ganze Material, das da mal unterwegs war ist von jugendlichen Heißspornen regelrecht verheizt worden, es hat wenig überlebt. Und das wiederum hat negativen Einfluss auf die Preise des Wenigen, das es noch gibt. Angesichts dieser Situation bin ich doch recht entspannt, wenn ich in die Regale mit Ersatzteilen in meiner Werkstatt sehe.

Martin arbeitet sehr sauber und sorgfältig, an mangelnder Kompetenz und Sorgfalt dürfte der Motorschaden nicht gelegen haben. Bleibt zu hoffen, dass er diesmal länger hält. Sonst droht dem Renner das Schicksal, nur noch Ausstellungsstück zu sein.

Mein Archiv hat beim Ordnen auch wieder interessante Fotos ausgespuckt. Ago wird immer wieder mal exotisches Material vor die Werkstatt gerollt.

Aber so selten und interessant es manchmal auch ist, löst es nicht immer Begeisterung beim Meister aus. Nicht etwa, weil er diese Materie nicht beherrschen würde. Aber je seltener die Motorräder sind, umso schwieriger gestaltet sich in der Regel die Ersatzteilbeschaffung.

Und da wird es dann doppelt problematisch, wenn man nicht selbst schraubt. Zahllose Mails, Auslandstelefonate, Zusagen ohne dass dann geliefert wird, immer wieder Repro-Teile in fragwürdiger Qualität, in falschen Maßen, teilwiese horrende Versand- und Zollkosten, usw., usw…

Da laufen dann Stunden auf, die auch bezahlt sein wollen, und die schnell jedes Budget sprengen, und den Wiederverkaufswert der jeweiligen Maschine mitunter deutlich übersteigen. Für die Fahrzeugeigner manchmal schwer zu akzeptieren.

Eigentlich haben Restauratoren in solchen Fällen nur drei Optionen: Selbst schrauben, oder ggf. alle benötigten Teile selbst beschaffen, damit der Fachmann sich aufs Schrauben konzentrieren kann. Oder einfach auf das Geld pfeifen. Und genau das ist einer der Gründe, warum ich mich auf die erste Variante festgelegt habe.

Lawrence von Arabien hat sein Leben auf so einer Brough Superior ausgehaucht. Die hier gezeigte Brough Superior wurde auf diesem Hintergrund nicht vom Meister fertig saniert. In diesem Fall stockte die Ersatzteillieferung aus England wohl so erheblich, dass das Projekt erst mal abgebrochen wurde.

