Werkstatt

Neues und Altes aus der Werkstatt

Während ich mich noch mit so profanen Dingen wie Beton, Zement, Gips und Farbe in meiner Werkstatt herumschlage, tauchen andere schon tief in ihre Motoren ein.

Armin

Martin hat sich endlich aufgerafft und saniert den Motor seiner Zweitaktrakete. Eigentlich kein Problem, er ist recht logisch und beherrschbar aufgebaut, auch wenn das mit den ‚nur‘ drei bewegten Teilen bei solchen Hochleistungs-Zweitaktern nicht mehr so ganz stimmt.

Zerlegt und gereinigt. Die Lagersitze im Gehäuse haben gelitten, aber angesichts der Ersatzteilsituation soll es nochmal zum Einsatz kommen. (Foto: Martin B.)

Und ‚eigentlich‘, weil hier die Ersatzteilbeschaffung inzwischen echt schwierig ist. Das ganze Material, das da mal unterwegs war ist von jugendlichen Heißspornen regelrecht verheizt worden, es hat wenig überlebt. Und das wiederum hat negativen Einfluss auf die Preise des Wenigen, das es noch gibt. Angesichts dieser Situation bin ich doch recht entspannt, wenn ich in die Regale mit Ersatzteilen in meiner Werkstatt sehe.

Dieser Zweitakt-Kolben ist den Heldentod gestorben. (Foto: Martin B.)

Martin arbeitet sehr sauber und sorgfältig, an mangelnder Kompetenz und Sorgfalt dürfte der Motorschaden nicht gelegen haben. Bleibt zu hoffen, dass er diesmal länger hält. Sonst droht dem Renner das Schicksal, nur noch Ausstellungsstück zu sein.

Hier steckt Arbeit und Geld drin, aber jetzt ist das Triebwerk einbaufertig. (Foto: Martin B.)

Mein Archiv hat beim Ordnen auch wieder interessante Fotos ausgespuckt. Ago wird immer wieder mal exotisches Material vor die Werkstatt gerollt.

Sehr selten und sehr speziell: Matchless Silver Hawk, 4-Zylinder-Motor, auch die Engländer haben sich darin geübt. Aber nicht in Reihe, sondern im Quadrat angeordnet. Thermisch nicht ganz ohne…

Aber so selten und interessant es manchmal auch ist, löst es nicht immer Begeisterung beim Meister aus. Nicht etwa, weil er diese Materie nicht beherrschen würde. Aber je seltener die Motorräder sind, umso schwieriger gestaltet sich in der Regel die Ersatzteilbeschaffung.

Durchaus eine ansprechende Optik.

Und da wird es dann doppelt problematisch, wenn man nicht selbst schraubt. Zahllose Mails, Auslandstelefonate, Zusagen ohne dass dann geliefert wird, immer wieder Repro-Teile in fragwürdiger Qualität, in falschen Maßen, teilwiese horrende Versand- und Zollkosten, usw., usw…

Ein Cockpit wie in den Autos jener Zeit soll die gehoben Klasse signalisieren.

Da laufen dann Stunden auf, die auch bezahlt sein wollen, und die schnell jedes Budget sprengen, und den Wiederverkaufswert der jeweiligen Maschine mitunter deutlich übersteigen. Für die Fahrzeugeigner manchmal schwer zu akzeptieren.

Der Meister prüft mit kritischem Blick eine Brough Superior.

Eigentlich haben Restauratoren in solchen Fällen nur drei Optionen: Selbst schrauben, oder ggf. alle benötigten Teile selbst beschaffen, damit der Fachmann sich aufs Schrauben konzentrieren kann. Oder einfach auf das Geld pfeifen. Und genau das ist einer der Gründe, warum ich mich auf die erste Variante festgelegt habe.

Die Brough Superior wurde gerne auch als der Rolls Royce unter den Motorrädern bezeichnet.

Lawrence von Arabien hat sein Leben auf so einer Brough Superior ausgehaucht. Die hier gezeigte Brough Superior wurde auf diesem Hintergrund nicht vom Meister fertig saniert. In diesem Fall stockte die Ersatzteillieferung aus England wohl so erheblich, dass das Projekt erst mal abgebrochen wurde.

Große Motoren brauchen großes Werkzeug.